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Eigene Meinung

Die eigene Meinung zu bilden, zu reflektieren und zu formulieren will gelernt und vor allem geübt werden.

Priscilla Niggli, Schulsozialarbeit Schulverband Grüsch/Seewis

Eigenständiges Denken

«Das Mutigste, das man tun kann, ist eigenständiges Denken. Und zwar lautstark.»
Zitat von Coco Chanel (1883 bis 1971)

Die gefeierte Modeschöpferin Coco Chanel mit dem bekannten Parfüm, wurde schon zu Lebzeiten zur Legende. Menschen wie sie, wagen Neues und kommen uns unerschrocken vor. Ist ihnen das in die Wiege gelegt? Man weiss von Coco Chanel, dass sie keine einfache Kindheit hatte, ihre Mutter früh verlor und in Heimen aufgewachsen ist. Wir können davon ausgehen, dass sie bereits in jungen Jahren um sich und ihre Bedürfnisse selber kämpfen musste. Von Menschen wie Coco Chanel können wir lernen, dass eigenständiges Denken, zusammen mit kreativen Ideen uns helfen können, eine eigene Meinung zu bilden.

Eigene Meinung kundtun

Für viele Menschen ist es schwierig, eine eigene Meinung zu haben. Diese dann aber auch noch zu äussern, ist noch eine ganz andere Hürde. Meistens glauben wir, dass die Meinung anderer viel mehr zählt als unsere eigene. Wir müssen uns nicht schämen, wenn es uns nicht gelingt, unsere eigene Meinung kund zu tun. Aber wir müssen unsere eigene Meinung auch nicht verstecken, nur weil wir Kritik oder Streit vermeiden wollen. Wir alle wissen, dass es eine grosse Portion Mut und Selbstsicherheit braucht, um zu seiner eigenen Meinung zu stehen. Andererseits werden wir innerlich gestärkt und wachsen an Selbstvertrauen, je mehr wir uns getrauen, unsere eigene Meinung zu sagen. Wenn wir also üben wollen, unsere eigene Meinung zu sagen, gibt es nur einen Weg: Öfters die eigene Meinung zu sagen.

Gut zuhören können

Wer bereit ist, verschiedene Meinungen anzuhören, also wer richtig gut zuhören kann, der hat die Möglichkeit, sich mit den gesammelten Informationen eine eigene Meinung zu bilden. Dabei müssen wir lernen, in uns hinein zu fühlen und uns zu überlegen, ob sich das Verhalten und die Meinung der anderen Person gut für uns anfühlt oder ob wir dabei ein Gefühl von Widerstand spüren. Je besser wir das Gehörte reflektieren können, je einfacher fällt es uns, zu einer eigenen Meinung zu kommen.

Nicht einschüchtern lassen

Sobald wir einer Person eine gewisse Autorität zuschreiben, sei es durch ihr Aussehen, ihr Auftreten oder ihren Beruf, lassen wir uns davon stark beeinflussen. Viel zu oft passt man sich an und sagt nichts. Woher kommt jedoch die Angst, seine Meinung zu sagen? Meistens entsteht diese Angst bereits in der Kindheit, wenn wir die Erfahrung machen, dass uns niemand zuhört oder wir sogar ausgelacht oder aufgefordert werden, den Mund zu halten. Unausgesprochene Meinungsverschiedenheiten können vor allem im Zusammenleben ein schleichendes Gift sein und Beziehungen zerstören. Deshalb lassen wir uns nicht einschüchtern – oft bringen gerade DIE Menschen tolle neue Ideen ein, die sich nicht gedankenlos der Meinung der Masse anschliessen.

Wir brauchen keine Ja-Sager

«Die eigene Meinung zu bilden, zu formulieren und zu reflektieren will gelernt und vor allem geübt sein – auch oder gerade in der Familie» sagt Thomas Witte von der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi. «Die Aushandlungsprozesse, die entstehen, wenn Partizipation gelebt wird, sind nicht immer einfach. Der Ton der Diskussionen bleibt nicht zwingend wohltemperiert, es wird zuweilen emotional und deshalb auch laut. Wenn es uns wichtig ist, unsere Kinder in ihrer Entwicklung bestmöglich zu unterstützen, müssen wir Eltern das aushalten. Wir brauchen keine Ja-Sager, sondern junge Menschen, die sich für ihre eigenen Belange und die anderer einsetzen.»

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