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Apropos Mut und Stärke

Mut und Stärke müssen nicht laut und dominant sein, sondern können sich auch ganz leise zeigen im Ausdrücken von Emotionen, da man dadurch seine Verletzlichkeit Preis gibt.

Priscilla Niggli, Schulsozialarbeit Schulverband Grüsch/Seewis

Mut und Stärke

Verletzlichkeit macht stark

In einer Welt, in der Versagensangst den meisten Menschen zur zweiten Natur geworden ist, erscheint Verletzlichkeit als gefährlich. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Psychologin und beliebte Vortragsrednerin Brené Brown sagt: «Verletzlichkeit ist die Voraussetzung dafür, dass Liebe, Zugehörigkeit, Freude und Kreativität entstehen können. Wenn wir es richtig angehen, entdecken wir die Kraft, die wir hinter unseren Schutzpanzern verborgen halten und entwickeln den Mut, uns für das einzusetzen, was uns wirklich etwas bedeutet.»

Mut und Stärke

«Du wirst nicht immer stark sein, aber du kannst immer mutig sein», heisst es in einem Sprichwort. Mit Mut verbinden wir Stärke, Entschlossenheit und Selbstbewusstheit. Sei mutig. Denk nicht zu viel nach. Mach’s einfach. Du wirst es nicht bereuen. Starke Leistung! Und schwups stehen wir wieder unter Druck, etwas leisten zu müssen, um stark und mutig zu sein. Doch wer von uns bringt den Mut auf, «unperfekt» zu sein?

Mutig nicht perfekt sein

Nicht perfekt sein verbinden wir mit Schwäche. Nie zufrieden sein mit der eigenen Leistung, scheint ein Programmierfehler unserer westlichen Wohlstandskultur zu sein. Kinder in der Schule sind tagtäglich mit dem Notensystem konfrontiert. Nicht jedes Kind geht mit dem Leistungsdruck gleich um. Die Note 5 bedeutet bei uns gut. Die Note 6 sehr gut. Welches Kind (welche Eltern) ist mit der Note 5 zufrieden? Viele sind enttäuscht, haben mehr erwartet und wollen noch besser sein. Aber was ist denn an gut nicht gut genug? Ja klar, die Note 6 wäre NOCH besser. Aber seien wir ehrlich, wir sind nicht perfekt. Kein Mensch wird es je erreichen können, vollkommen perfekt zu sein. Und, müssen wir uns dabei schlecht fühlen? Nein. Gut ist gut genug. Und das zu akzeptieren braucht: Mut.

Mut kann sich ganz leise zeigen

Mut muss nicht laut sein. Mut muss nicht dominant sein. Mut muss nicht schreien. Mut kann auch ganz ruhig sein. «Morgen», sagt Mut ganz leise: «Morgen versuche ich es wieder.» Nicht klein beigeben und es mutig wieder von Neuem versuchen. Sich seiner eigenen Unvollkommenheit und seinen eigenen Schwächen bewusst sein und ihnen die Stirn bieten, das ist eine starke Leistung. Jeder ist mutig, der nicht aufgibt. Im Gegensatz zu einem vorprogrammierten Computer sind wir vielfältige, lebendige Zweibeiner mit vielen verschiedenen Emotionen. Wir machen uns verletzlich und brauchen wieder Heilung. Dieses Mutig-sein und Nicht-aufgeben-wollen posaunen wir nicht laut von der Strasse, weil wir uns dabei nicht sehr heldenhaft vorkommen. Wenn wir nun aber mutig kleine Schritte wagen, mal leiser, mal lauter, schlagen wir die Verzweiflung in die Flucht: «Ich bin mutig, weil ich die Angst akzeptiere.»

Innere Stärke kann uns ermutigen, Grosses zu wagen

Innere Stärke hat jeder Mensch von Geburt an. Sie bezeichnet die psychische Widerstandsfähigkeit, schwierige Situationen, Lebenskrisen und Belastungsphasen zu meistern. Der Fachbegriff dafür ist Resilienz. Im Laufe unseres Lebens wird diese innere Stärke immer wieder auf die Probe gestellt. Sie unterstützt uns dabei, Krisen oder schwierige Situationen zu meistern und oft sogar noch gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Entziehen wir uns diesen Prüfungen und versuchen wir jeder Krise aus dem Weg zu gehen, laufen wir Gefahr, mutlos zu werden. Lasst uns deshalb mutig einander erinnern, dass in jeder Schwierigkeit die Möglichkeit steckt, etwas Wertvolles und Einzigartiges entstehen zu lassen.

Ermutigung: Mit Mut fangen die schönsten Geschichten an!

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